Amsterdam, ahoj – Klassenfahrt II

Moin,

heute, oder eigentlich viel mehr gestern, sind wir nun wieder auf Klassenfahrt unterwegs. Für mich ist es das zweite Mal seitdem ich bei meinem aktuellen Arbeitgeber arbeite.

Um 08:00 war Abfahrt am Hauptbahnhof in Braunschweig. Das ist nun doch etwas früher als ich es gewohnt bin. Klar, man kann um die Uhrzeit irgendwo sein, aber normalerweise sind Verträge mit meinen Kunden so geschnürt, dass sie erst ab 09:00 Support erwarten können. Ja, ich bin normalerweise irgendwann vor 09:00 im Büro und gehe die Tickets durch oder mache Restarbeiten vom letzten Tag, das ist dann meist so 08:30, aber um 08:00, auch wenn es nur eine halbe Stunde ist, ist gefühlt schon ein großer Unterschied. Zumal man gleich 60 Leute um sich hat und nicht alleine in seinem Büro bei Tee und E-Mail lesen wach werden kann…

In Köln angekommen gab es Probleme mit dem Schiff. Wir konnten es nicht finden. Da wir aber noch eine Menge Zeit hatten und wir erst ab 15:00 Uhr das Boot betreten konnten – es war gerade um die 14 Uhr – und  die Abfahrt erst gegen 16 Uhr stattfinden sollte, gingen wir in den Kölner Bahnhof und aßen irgendwas vom Schwein und tranken Kölsch, was ich im übrigen definitiv nicht mag. Also das Kölsch mein ich jetzt. Das Schweinefilet war so lala. Aber da wir auch schon um 08:32 Uhr das erste Bier getrunken haben, kann es sein, dass mein Geschmackssinn ein wenig irritiert war.

Wir haben noch einen Kollegen vom Bahnhof mitgenommen und sind dann wieder zum Anlegeplatz gelaufen, wo aber kein Schiff war. Nachdem wir endlich einen Menschen mit Ahnung erreichten, wussten wir, dass das Schiff an einer völlig anderen Stelle angelegt hatte, da aufgrund der anhaltenden Dürre dieses Sommers der Wasserstand des Rheins so niedrig war, dass das Schiff nicht am gewohnten Ort ankern konnte.

Ach ja, der Ort an dem das Schiff ankerte war natürlich so weit entfernt, dass man es nur mit dem Taxi erreichen konnte. Woher ein Taxi auf die Schnelle nehmen? Genau, zurück zum Bahnhof… Dass ich Gepäck dabei hatte, welches nicht gerade leicht war, sollte ich nicht erwähne müssen.

Auf dem Weg zum Schiff wurde mir etwas mulmig weil ich meinen Reisepass vergessen hatte und alle anderen ihren dabei hatten. EU Ausland – Reisepass? Eigentlich nicht, aber man wird bei sowas ja schnell nervös….

War letztendlich aber doch kein Problem und das ist meine Koje.

Super Computing in Frankfurt

Ich war dieses Jahr bei der ISC (International Super Computing Messe in Frankfurt). Meine Güte, High Performance Computing (ja, das ist meine Arbeit) ist und bleibt einfach spannend. Und besonders wenn die Geräte auch noch physisch zu Gesicht bekommt.

Viel will ich Euch auch gar nicht mit den Einzelheiten nerven, aber den AMD Stand fand ich dann doch äußerst amüsant. 😀

Xeon ist eine CPU-Familie von Intel. Epyc ist deutlich besser als Intel. Gerade nachdem die Spectre Fixes in den Microcode der Intel CPUs gepatched wurden, stinkt der Xeon gegen den Epyc extrem ab. Und Epyc ist auch noch deutlich günstiger.

…und Intel stand nur zwei Stände weiter…

Balls of Steel, AMD! 😀

Mode in Shimokitazawa

Wisst ihr was wirklich komisch ist?

Moment, ich fange am Anfang an. Ich trage gerne Skaterklamotten der 1990er Jahre. Fette Osiris Schuhe, Carhartt und Dickies Hosen, etc..

Genau so laufen die Leute in Shimokitazawa rum.

Außerdem trage ich gerne so alte Kutschermäntel. Auch das ist schwer angesagt. Und wenn Du dich einmal im Kreis drehst siehst Du bestimmt 3 Leute, die ne Gitarre o.ä. auf dem Rücken geschnallt haben. Im Übrigen hält sich das Geschlecht da nach meiner Einschätzung in Waage. Hierzulande habe ich das Gefühl, dass eher Jungs die klassischen Pop/Rock-Instrumente spielen.

Ich finde es deswegen so erstaunlich, weil meine Mode eher was mit der Hip-Hop/Skate-Punk Kultur rum um Braunschweig herum zu tun hat, in der ich aufgewachsen bin. Also kann dies nicht von irgendwelchen Anime/Manga und Japano Weaboo shit kommen.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich dort besser hin passe. Ich kann nicht sagen warum, aber dort wirklich Leben und Arbeiten kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Vielleicht ist es so, dass ich Tokyo in meiner Plastikwelt in toller Erinnerung behalten möchte und die dunklen Seiten des Alltags nicht erleben will.

Aber ich mag Deutschland und meine kleine surreale Welt auch viel zu gerne, als dass ich dieses Land verlassen möchte. Ich mag meinen Job und meine Freunde. Meine Familie sowieso. Aber die war ja auch mit 😉

Vielleicht ist es so wie Klaus-Jürgen, der seit 23 Jahren immer wieder in dem selben, kleinen Nest in Dänemark Urlaub macht. Der ist schließlich auch nie ausgewandert.

Heimweh.

Ich sitze gerade im ICE 1. Klasse Abteil und versuche mir die Zeit bis nach Braunschweig totzuschlagen. Die anderen Mitreisenden versuchen derweil zu schlafen. Sollte ich auch, aber irgendwie bin ich noch nicht ganz wieder runter gefahren. Mein Kopf ist noch zu voll. Zu frisch sind noch die vielen Eindrücke und die tolle Zeit, die wir im (hust*hust) Land der aufgehenden Sonne erleben durften.

Wir sind heute morgen um 06:00 Uhr Tokioer Zeit aufgestanden.  Nun ist bereits 02:00 Uhr Nachts. Hier im Zug allerdings ist es gerade 19:00 Uhr geworden. Der Körper nimmt einem das Spiel mit den Zeitzonen wirklich übel. Ich versuche meine Gedanken und insbesondere Termine für die beginnende Woche zu sammeln, aber viel ist da nicht los zwischen Schädeldecke und Unterkiefer.

Merklich nervös und unruhig schaue ich auf die Uhr. Ich habe komplett das Zeitgefühl verloren. Mein Chronograph, eine alte CASIO G-SHOCK GS-1100, die ich vor Jahren im Schrott fand und aufgearbeitet habe, zeigt noch die Zeitzone der vergangenen Tage an.

Was nehme ich also mit aus der Woche, auf die wir uns so lange gefreut haben? Ich habe jedes mal das Gefühl, dass ich als besserer Mensch wieder komme. Das liegt an mehreren Dingen. Zum einen ist es die Art und Weise wie dir Japaner gegenüber agieren, wie sie dich behandeln, wie sie dir helfen. Obwohl Du als Kerl lange Haare hast und sie noch schlechter englisch können als du selbst. Es ist egal wie du aussiehst. Du wirst so behandelt wie jeder andere. Ob du ein Mensch im Business-Anzug oder ein Kaputter Punker bist. Das spielt erst einmal keine Rolle.

Damit kommen wir dann auch schon zum anderen, vielleicht viel wichtigeren Punkt. Ich fühle mich dort angenommen. Ernst genommen. Ich bin ein Mensch, wie ich einer bin. Und damit bin ich leider nicht wirklich die Normalität der Gesellschaft. Viele Leute glauben, ich hätte mir das so ausgesucht. Aber das habe ich nicht. Genauso wenig wie jemand, der homosexuell ist. Wenn ich versuche „normal“ zu sein, fühle nicht nur ich mich unglücklich sondern die anderen Menschen merken, dass es ich um eine Fassade handelt. Oder warum trägst Du diesen Haarschnitt? Warum hörst Du diese Musik? Weil sie dir gefällt. Aus seiner Haut kann man nur bedingt. Klar versuche ich mich anzupassen und nehme eine Menge Rücksicht. Genauso wie ich möchte, dass mich andere akzeptieren, möchte ich den Anderen aber auch nicht vor den Kopf stoßen. Wenn ich schwul wäre würde ich ja auch nicht überall rum rennen und schreien „Yo, ich bin Neo und ich bin übrigens schwul!“. Hab ich euch schon erzählt welches meine sexuelle Orientierung ist? Eher nicht… Es ist so wie ein VWler, der dir direkt nach seinem Namen sagt, er sei AT. Affig. Ähm…

Worauf wollte ich hinaus? Genau. Die Japaner scheren sich *erstmal* ’n Dreck darum wer du bist. Das ändert sich, wenn es darum geht ihr Angestellter zu sein, oder ein Schüler oder bla. Aber wenn Du ein Mensch bist, der eine Frage hat, etwas kaufen möchte, den Weg nicht weiß, oder da einfach mal durch will, weil jemand im Weg ‚rum steht, dann ist das was Du bist völlig Jacke wie Hose. Und dies ist das Gefühl was ich meine. Dieses Positive und Vorurteilsfreie. Das gibt einem so viel Energie und Freude. Es hat sich ein Juniohighschool Mädchen neben mich gesetzt. Trotz meiner Stiefel und Ledermantel. In Deutschland wird man abwertend angeschaut und die Leute machen einen großen Bogen um dich.

Ich denke, ich komme mit einer positiveren und bescheideneren Einstellung zurück.

Warst Du schon mal in Japan? Fahr hin, schau es Dir an. Glaub mir, Du wirst verstehen was ich meine.

Ich bin Pionier.

Hmm,

ich habe mir gerade aus versehen ein Stück Elektroschrott gekauft… Davon gibts aber auch ’ne Menge hier. Und auch Filme. Alle guten Actionfilme der 80er. Und das alles für 100-300 Yen.

Achso, was habe ich mir gekauft? Einen Pioneer CLD-770 für 1080 Yen. Meine Fresse. Schaut mal bei Ebay was ein LD-Player so kostet.

Allerdings habe ich das Ding durch halb Shimokitazawa schleppen müssen. Er wiegt fast 15kg und hat die Maße 42x45cm … Naja, whatever. …

VHS NTSC-J

Ich habe mir aus versehen eine VHS von X bei DISC UNION gekauft. Einen Livemitschnitt von 1989 aus Shibuya.

Natürlich habe ich keinen NTSC VHS Player. Also habe ich mir einen im Hard-Off gekauft. Für 324 ¥! Scheiß die Wand an. Das ist mal Preiswert! Aber aufpassen, in Japan fallen keine 240V aus der Steckdose; es sind 100V. Nicht dass ihr euer prächtiges Gerät nach dem lang ersehnten Japanurlaub direkt grillt.

Außerdem habe ich mir ein paar Laserdisks für 100 ¥ das Stück gekauft. Mobile Suit Gundam und  Macross 7. Einen Laserdiskplayer habe ich auch noch nicht, Vielleicht ändert sich das ja noch…

Neues Heim

Heute haben wir unser erstes Heim verlassen und sind in unser zweites umgezogen, welches nur zwei Straßen weiter ist. Leider konnten wir nicht eine Unterkunft für die komplette Reise buchen, da keins mehr frei war, welches wir bezahlen wollten. Also haben wir den Kompromiss geschlossen, dass wir nach ein paar Tagen wechseln. Das war OK und ist durchaus Preiswert.

Mittlerweile muss ich sagen, dass ich echt froh bin. Ich meine, unser erstes Apartment war zwar nicht so wirklich schlecht, aber eben alles andere als gut. Maximal „OK“, aber eher ’ne 4 bis 4-. Also gerade noch so erträglich. Das Licht im Badezimmer war kaputt, die Klobrille war aus der Verankerung gebrochen, es war nur eine Rolle Klopapier vorhanden, nur drei Decken für vier gebuchte Personen, sehr sehr staubig und überall Flecken, die Handtücher musste ich erstmal waschen, da sie Flecken hatten, Müll und Haarspangen von irgendwelchen Vormietern, alte, vergilbte Grußzettel von Vormietern und ein Futon, das nach Füßen roch. Aber dafür hatten wir eine Mikrowelle, keinen Schimmel (häufig bei den Nasszellen in Japan), eine funktionierende Waschmaschine und jede Menge verschiedenster Waschmittel, die von Reisenden zurück gelassen wurden. Außerdem hatten wir ein Fernsehgerät. Ich gucke zwar eigentlich nie Fernsehen (ich glaube, wir haben unseren TV zu Hause nach dem Umzug immer noch nicht angeschlossen (nur die Dreamcast und die Wii hängen da dran)), aber in Japan ist das schon was anderes. Ich mag den Klang der Sprache. Außerdem ist im japanischen TV mehr los, als bei uns. Also kann man sagen, es war gerade noch in Ordnung. Auch wenn der Kühlschrank zwar irgendwie beim Kompressorgang fürchterlich Krach machte (es klapperte, als ob da irgendwas lose war…), war er dennoch ein funktionierender Kühlschrank, der mein Bier und unser Eis bewachte.

Ich war dennoch sehr froh, als wir endlich gehen mussten. Wir hatten bereits so gut wie alles am Abend zuvor gepackt; hatten dementsprechend also nicht mehr viel zu tun. Ich ging duschen, bei den Anderen reichte die Katzenwäsche. Danach gings los. Unser Host im zweiten Airbnb war super nett uns lies uns unser Gepäck gleich um 11:30 Uhr ins neue Heim bringen. Das alte Zimmer mussten wir um 11 verlassen. Das ist aber üblich. Um 11 gehst Du und bis 15 Uhr wird gesäubert. Dann darf der nächste rein. So war es nun auch beim zweiten „Kawaii“-Apartment. Aber, wie gesagt, wir durften unsere Habseligkeiten bereits um 11:30 Uhr ins Zimmer bringen. Danke!

OK, dann haben wir ’ne Menge Zeit. Uns wurde bereits das Pocketwifi mitgegeben, also konnten wir in den nächstgelegenen Park gehen. Das gerade Hanami in Japan ist, hatte Kasumi ja schon erwähnt. Ein paar Eindrücke möchte ich hier noch teilen.

Unser neues Schlupfloch war dann wesentlich angenehmer. Ja, hier gab es dann den Schimmel im Badezimmer (bzw. die Stockflecken) und ein Fenster ist kaputt. Also … es war gebrochen, ist geklebt und lässt sich nun nicht mehr öffnen. Außerdem ist der Balkon eher sowas wie ein Garten, der seit zwei Jahren nicht mehr gepflegt wurde. Im besagten Garten stehen Putzmittel und die Waschmaschine. Stimmt. Im Garten. Bzw. auf dem Balkon. Ich liefere noch Fotos nach 😉

Hier gibt es leider keine Mikrowelle und auch keinen Fernseher. Aber dafür ist der riesige Kühlschrank leiser – in dem übrigens schon Bier vom Host für uns kalt gestellt wurde – es ist viiieeel sauberer und riecht wesentlich angenehmer. An… äh Kondome wurde auch gedacht. Und an Binden. Und es gibt hier Tonnen an Medikamente. Und … naja, egtl alles was man so braucht.

Obwohl das Apartment hier quasi im Keller ist und von der Yakuza überwacht wird (hmm, wenn ich darüber nachdenke könnte das aber unsere Sicherheit erhöhen … ) ist es hier viel angenehmer als in der anderen Bude. Ja, obwohl hinter dem Balkon eine Wand ist, man also quasi nichts sehen kann, ist es hier schöner. Und ja, auch wenn wir peinlichst darauf achten nicht zu laut zu sein, damit wir keinen stören (unser Host hat uns sogar gesagt, wir sollen auf der ganzen Straße zum Apartment nicht reden) gefällt es uns hier besser.

Ach und die Waschmaschine hier ist cooler ^.^ alte Hitachi…

Wir waren übrigens die meiste Zeit unseres Aufenthaltes in irgendwelchen Second Hand Läden. Davon gibts hier wirklich an jeder Ecke FÜNF. In Shimokitazawa gibt es egtl nur 7-11s, Family Marts, Lawsons und die anderen 80% sind 2nd-Hand Läden. Oh ok, 3% Schuhläden. Aber dazu mehr in einem anderen Beitrag.

Cateriam 🐱

Oh man. Katzencafe. Jaja, Japantouristen müssen natürlich immer in ein Katzencafe. Wir waren das letzte Mal in keinem. Aber man will ja nicht mit den gängigen Klischees brechen. Also haben wir das heute nachgeholt. Wir waren im Cateriam

Egal was Tierschützer jetzt sagen mögen, an Tierquälerei erinnert dies wirklich nicht. Die Mitarbeiter sind sehr liebevoll zu den Katzen und wir wurden zu beginn angehalten, dass wir die Katzen in keiner Weise stören dürfen. Kinder unter fünf Jahren sind verboten. Kinder unter 12 Jahren dürfen nur in Begleitung der Eltern das Cafe betreten. Außerdem mussten wir unsere Schuhe ausziehen, uns gründlich die Hände waschen und anschließend mit Alkohol desinfizieren. Erst dann durften wir zu den Katzen.

Das Cafe hat eine ziemliche Wohnzimmeratmosphäre. Man sitzt irgendwo rum und die Katzen laufen da so lang. Sie scheinen schon sehr früh an Menschen gewöhnt zu sein, denn sie sind extrem zutraulich. Die Mitarbeiter passen ständig auf, dass man den Katzen nicht zu viel abverlangt und sie in Ruhe „leben“ können. Eigenes Katzenfutter mitbringen ist verboten. Und sonst auch dürfen die Katzen nicht gefüttert werden. Man konnte zwischen 30 und 60 Minuten Aufenthalt wählen. Wir waren nur 30 Minuten da, merkten aber, dass das doch ziemlich knapp von der Zeit her war.

Eigentlich kann man sagen, dass das Katzencafe nichts anderes als ein normales Cafe mit kleiner Auswahl ist. Es gab nur eine Hand voll Dinge zu bestellen. Der einzige Unterschied ist, dass da Katzen rum laufen. Die Katzen werden nicht besonders dressiert oder anderes. Sie laufen da einfach nur lang. Wie bei Dir zu Hause…